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Der Berg des weißen Goldes
     
 

Vorgeschichtliches Kinderbuch (Kelten). Thienemann 2005. Unter dem Titel „Am Berg des weißen Goldes“ erstmals bei Dressler 1994. Ab 10 Jahren. Nicht lieferbar.

Inhalt

Zitternd steht Bricco vor dem Eingang zum Salzbergwerk. Er ist auf der Flucht. Eine wertvolle Fibel aus der Werkstatt des Bronzeschmieds Cino ist verschwunden. Alle halten Bricco, den Jungen aus der Fremde, für den Dieb. Hinter sich weiß er seinen Erzfeind Pusio und vor ihm liegt die Dunkelheit im Berg des weißen Goldes... Ein spannendes Abenteuer aus der Keltenzeit!

Über die Entstehung

Bereits vor langem hatte ich mit meiner Familie auf einer Urlaubsreise das Freilichtmuseum auf dem Dürrnberg bei Hallein besucht, wo schon zur Keltenzeit Salzbergbau betrieben worden war. Jahre später – inzwischen hatte ich zwei zur Keltenzeit spielende Bücher geschrieben - besuchte ich es mit meiner Tochter ein zweites Mal. Während wir über das Gelände streiften, Tafeln lasen und das rekonstruierte Gehöft und die Grabkammer eines reichen Kelten besichtigten, entstanden Szenen in mir, Personen, Geschichten. Ich wusste: Dies wird mein nächstes Buch.

 

Leseproben

[Bricco, der im Winter als Beleuchter im Bergwerk des reichen Verrix gearbeitet hatte und sich dessen Sohn Pusio zum Feind gemacht hat, rennt vor Pusio davon und will Hilfe bei seinem Vater suchen, der an Jentumars Hof lebt. Bricco ahnt nichts von den Belüftungsproblemen im Bergwerk, deretwegen jetzt im Sommer in den Stollen nicht gearbeitet wird. Da er von Pusios Angst vor Finsternis weiß, glaubt er sich im Stollen vor ihm sicher.]

Bricco hetzte weiter bergauf. Zu Jentumars Hof, zu Jentumars Hof ...
Noch ein Stück den Weg weiter bergauf, dann nach links hinüber, schneller, schneller!
Sein Atem ging stoßweise, schnitt schmerzhaft in Kehle und Brust. Seine Beine wurden immer schwerer.
Er sah über die Schulter zurück.
Pusio hatte aufgeholt. Und nicht nur das. Pusio hatte erkannt, dass Jentumars Hof das Ziel ihres Wettlaufes war. Pusio hatte ihm den Weg abgeschnitten.
Er, Bricco, würde Jentumars Hof nicht erreichen. Er würde Pusio in die Arme laufen.
Sollte er wieder bergab rennen?
Sinnlos. Pusio war schneller als er.
Und hier waren sie abseits von jedem Hof. Kein Mensch war in der Nähe zu sehen, keiner, der eingreifen würde ...
Er würde Pusio nicht entkommen. Es sei denn ...
Dort oben, nicht mehr weit, der Eingang zu Verrix’ Bergwerk!
Er maß die Entfernung mit den Augen. Ja, das könnte zu schaffen sein!
Das Bergwerk – Sicherheit. Denn eines war gewiss: Ohne Fackel würde Pusio ihm nicht ins Bergwerk folgen.
Mit letzter Kraft quälte Bricco sich bergan. Er musste es schaffen.
Einen Augenblick spürte er Angst: allein und ohne Licht ins Bergwerk!
Die Geister, die im Dunkel lebten ...
Aber sie hatten ihm nie etwas getan, die Geister. Sie waren keine wirkliche Gefahr. Pusio dagegen und seine Fäuste, das war wirklich.
Ob er sich im Finstern zurechtfinden würde?
Ja. Schließlich kannte er das Bergwerk, wusste jeden Gang, jede Biegung, jeden Balken. Und den Weg, der zu dem zweiten Ausgang führte, durch den er wieder ins Freie entkommen und zu Jentumars Hof gelangen konnte ...
Er erreichte die Abraumhalde, stolperte an ihr vorbei bergan. Ein letzter Blick zurück: Pusio war näher gekommen und machte ihm irgendwelche Zeichen. Undeutlich hörte er ihn etwas schreien. Nein, der würde ihn nicht kriegen!
Bricco tauchte in den Schatten des Stollens ein, rannte den ebenen Gang ins Bergwerk hinein. Mit jedem Schritt wurde es dunkler.
Kühle umfing ihn. Dann erreichte er die Stelle, an der der Gang sich neigte.
Ganz kurz verharrt er, holte tief Luft. Dann fühlte er mit den Händen rechts und links von sich nach den Wänden des Stollens und ging vorsichtig, Schritt für Schritt, weiter. Die Dunkelheit wurde zur Finsternis.
„Briiicoooo!“ Er zuckte zusammen. Lang gezogen und gespenstisch hallte sein Name durch den Gang.
Pusio. Das musste Pusio sein, der am Eingang nach ihm rief.
„Briiiccooooo! Komm zurüüüück! Gefaaaahr! Gefaaaahr!“
Bricco verzog den Mund. Pusio konnte lange schreien. Der würde ihn nicht hereinlegen. Und bald würde er ihn sowieso nicht mehr hören. Denn Pusio würde am Eingang zurückbleiben.
Er tastete weiter.
„Bricco! Du Schwachkopf!“ Auf einmal war die Stimme viel näher.
Briccos Herz schlug schneller.
Aber das konnte doch nicht sein! Er war sich doch so sicher gewesen, dass Pusio nie und nimmer im Finstern das Bergwerk betreten würde!
Er ging schneller, rutschte aus, fiel, raffte sich wieder auf.
„Bricco, verdammt, kehr um! Du kannst ersticken im Bergwerk! Komm zurück!“
Du kannst ersticken im Bergwerk ...
So ein Schwachsinn! Wie konnte Pusio glauben, dass er auf so einen dummen Trick hereinfallen würde!
Aber dass Pusio ihn verfolgte ...
Bricco stolperte voran. Ihn umgab völlige Schwärze. Dann tasteten seine Hände ins Leere. Der erste Seitengang. Er kniete nieder, rutschte auf allen vieren weiter. Schneller. Er musste Pusio entkommen.
Weiter. Tiefer. Immer weiter.
Endlich richtete er sich wieder auf, fühlte um sich, irrte hin und her, ehe er eine Wand fand. Er musste sich in einer Abbaukammer befinden.
In welcher? Der zweiten? Der dritten?
Er hatte das Gefühl dafür verloren.

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