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Entscheidung am heiligen Felsen
     
 

Vorgeschichtliches Jugendbuch (Kelten). Arena 1993. Taschenbuch Arena. Ab 12 Jahren.

Inhalt

Weil ihr Vater die Abgaben an den Fürsten nicht bezahlen kann, muß Marcia als Magd am Fürstenhof bleiben. Sie hat Glück. Die Keltenfürstin Litussa schließt das einfache Bauernmädchen in ihr Herz. Als Litussa das Opfer einer Hofintrige wird, kann Marcia sie im letzten Moment retten.

Über die Entstehung

Dr. Jutta Pauli, eine Archäologin, die mich bereits einmal für ein anderes Buch beraten hatte, machte mir immer wieder den Vorschlag, einen Roman über die Keltenstadt Alkimoennis (dem heutigen Kelheim) an der Donau zu schreiben. „Ich habe doch schon mal über die Kelten geschrieben“, wehrte ich jedes Mal ab. Bis sie eines Tages sagte: „Es ist ein ungeklärtes Rätsel, warum die Kelten Mitte des 1. Jahrhunderts vor Christus diese Stadt verlassen haben, ohne dass sie zerstört worden wäre.“ Ein ungelöstes Rätsel? Meine Neugier war erwacht ...

 

Leseproben

[Marica begleitet ihren Vater, einen keltischen Bauern, in die Keltenstadt Alkimoennis, als dieser die jährlichen Abgaben an den Fürsten Adiaturix abzuliefern hat.]

Dann standen sie vor dem streng aussehenden Mann mit der bunten Hose, dem gestreiften Mantel und dem glänzenden Bronzeschmuck. Der Vater verbeugte sich tief. Der Fürst! dachte Marica und erschrak. Sie sank auf die Knie.
„Wie heißt du?“, fragte der Mann den Vater.
„Luo, Herr Verwalter“, erwiderte der Vater und fügte mit leiser Stimme hinzu: „Um es gleich vorwegzunehmen: Ich muss dem Fürsten etwas schuldig bleiben – zwei Kälber. Alles andere kann ich leisten, vertragsgemäß.“
„Zwei Kälber?“ Der Verwalter hob die Augenbrauen und ließ sich von einem Knecht ein Wachstäfelchen geben, studierte die Eintragungen darauf. „Wie ich sehe, hast du bereits im letzten Jahr die Großmut des Fürsten Adiaturix bis zum Äußersten strapaziert. Damals habe ich in seinem Namen deine Schuld gestundet. Aber niemals gestattet der Fürst einen zweiten Aufschub. Ich kann nicht noch einmal Nachsicht mit dir haben – heute musst du alles zahlen. Was hast du statt der Kälber anzubieten?“
Der Vater sah zu Boden. Sein Gesicht war grau. „Nichts, Herr Verwalter.“
„Nichts? Das ist schlecht für dich, sehr schlecht! Lass sehen, was du abzuliefern hast!“
Die Angst war plötzlich wie ein heißes Feuer.
„Fass mit an, Marica“, murmelte der Vater, ohne sie anzusehen.
Gemeinsam entluden sie den Karren, zeigten jeden Korb, jedes Gefäß und jeden Sack dem Verwalter des Fürsten, der alles genau musterte, Eintragungen auf seiner Wachstafel machte und die Sachen von Knechten wegräumen ließ. Als Letztes holte Marica den blauen Stoff vom Karren, gab ihn ihrem Vater. Seine Hände zitterten, als er ihn dem Verwalter hinhielt.
„Seht, Herr Verwalter, dies hat meine Tochter gewebt, es ist eine sehr schöne, sehr sorgfältige Arbeit, mehr wert als irgendein Stoff, den Ihr erwarten konntet, wenn Ihr so gütig wäret und mir um dieses Stoffes willen noch einmal meine Schuld stunden würdet.“ Seine Stimme versagte.
Der Verwalter nahm den Stoff, fuhr mit der Hand darüber, entfaltete ihn, maß ihn aus, hielt ihn gegen das Licht. Dann sah er Marica an: „Und das hast du gewebt? Du ganz allein?“
„Ja, Herr Verwalter.“ Maricas Stimme war nur ein Flüstern.
[...]
„Bist du auch bei anderen Arbeiten so geschickt?“
„Ich kann gut spinnen, Herr. Und sonst, ich muss bei allem helfen, im Garten, auf dem Feld, im Haus, ich versorge den Stall und ...“
Er schnitt ihr mit einer Handbewegung die Rede ab. „Spinnen und Weben“, sagte er nachdenklich vor sich hin. Dann schien er einen Entschluss zu fassen: „Höre, Luo“, sagte er zu dem Vater, „ich habe es dir gesagt: Diesmal gibt es keine Nachsicht. Diesmal musst du alles bezahlen. Und ich weiß jetzt, wie du deine Schuld an den Fürsten abtragen wirst. Du wirst mit deiner Tochter da bezahlen!“
Maricas Herz begann zu rasen. Sie starrte den Verwalter an und dann ihren Vater. Das Gesicht ihres Vaters war aschfahl. Er stotterte: „Habt Erbarmen, Herr Verwalter! Im nächsten Jahr werde ich alles bezahlen!“
Der Verwalter fuhr ihn an: „Für wie dumm hältst du mich! Deine Tochter und dabei bleibt es!“

Arena-Taschenbuch 2004, Seite 25 – 27

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