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Bücherwurm trifft Leseratte 2
     
 

Neue Geschichten und Gedichte von Gabriele Beyerlein, Dagmar Chidolue, Uschi Flacke, Thomas Fuchs, Ulrich Karger (Hrsg.), Sylvia Schopf, Pete Smith, Manfred Schlüter und Christa Zeuch. Illus.: Manfred Schlüter. Edition Gegenwind, BoD, 2016

Inhalt

Spannendes, Mutmachendes und Witziges für Kinder zwischen 5 und 9 Jahren. Geschichten und Gedichte zum Vor- und Selberlesen in Schul-Druckschrift.

„Bücherwurm trifft Leseratte 2“ ist das zweite Gemeinschaftsprojekt bekannter Kinderbuch-Autoren in der Edition –Gegenwind. Von Gabriele Beyerlein ist die Erzählung „Halloween“ darin enthalten.

Leseprobe aus der Erzählung „Halloween“

Ich bin so satt, dass ich gleich platze, weil es so viele gute Sachen zu essen gegeben hat. Alles haben wir ausprobiert: den Nudelsalat und die Hackfleischbällchen und die chinesischen Sachen, von denen ich nicht weiß, wie sie heißen, und die Rote Grütze und die Vanillesoße und den Apfelstrudel. Wir haben ganz allein in Tobias’ Zimmer essen dürfen, weil unten im Wohnzimmer Miriam mit ein paar Freundinnen und Freunden damit beschäftigt war, das Buffet aufzubauen und alles zu schmücken. Miriam ist Tobias’ große Schwester. Sie hat heute ihren achtzehnten Geburtstag. Und weil Halloween ist, feiert sie eine Gruselparty. Dazu bin ich natürlich nicht eingeladen, was ich ja auch gar nicht will. Aber Tobias ist schließlich mein Freund und ich darf bei ihm schlafen. Na ja, was so „schlafen“ heißt. Tobias will unbedingt bei der Gruselparty mitmischen, heimlich, versteht sich. Ich weiß nicht, ob ich die Idee so toll finde …

Inzwischen hat die Party längst begonnen, es ist ja auch schon bald zehn Uhr. Doch es kommen immer noch Gäste. Miriam scheint ihre halbe Schule eingeladen zu haben.

Wir stehen in unseren Schlafanzügen am Fenster in Tobias’ Zimmer und spähen hinaus. Das Licht haben wir ausgemacht, damit wir nicht entdeckt werden, während wir die Gäste von Miriams Halloween-Party beobachten. Obwohl es ja längst Nacht ist, kann man ganz gut sehen, weil die Straßenlaterne scheint und

neben dem Weg zur Haustür Fackeln leuchten. Zwei Typen kommen gerade den Weg herauf, ein Vampir und eine Hexe. Vampire und Hexen gibt es schon mehrere auf der Party. Aber da trippelt noch jemand heran, der von Kopf bis Fuß in weiße Bänder eingewickelt ist und kaum gehen kann, weil er sich die Füße aneinandergewickelt hat. Vielleicht ist er ja auch eine Sie, das kann man nicht erkennen. Aber dass es eine Mumie ist, das erkennt man.

Schon wieder hält ein Auto vor dem Haus. Eine große Gestalt steigt aus. Boah! Was für ein schrecklicher riesiger Kerl! Ganz in eine schwarze Kutte gehüllt, die Kapuze tief in die Stirn gezogen, ein großes Beil über die Schulter gelegt. Und unter dem Arm trägt er einen Kopf, der sieht ganz blutverschmiert aus. Unwillkürlich zucke ich zusammen. Auch wenn ich natürlich weiß, dass der Kopf nur aus Plastik ist und das Blut nur Farbe – klar.

„Huuuh!“, macht Tobias. „Ein Henker! Da hab ich aber Angst!“ Er lacht.

Ich lache auch. „Pass nur auf, dass er dir nicht den Kopf abschlägt!“

„Klar“, sagt Tobias. „Der sitzt mir dann nur noch ganz locker auf meinen Schultern. Und wenn ich nicke, fällt er mir runter!“

„Und ich spiele als Gespenst Fußball damit.“

„Also hör mal, Jan!“, protestiert er. „Mit meinem Kopf! Etwas mehr Pietät, bitte.“

Ich habe keine Ahnung, was das ist, Pietät. Aber ich habe keine Lust, zuzugeben, dass ich das Wort nicht kenne. Deshalb sage ich nur: „Ich glaub, jetzt kommen keine Gäste mehr.“

„Ja, scheint so. Ich fand den Henker am besten“, erklärt Tobias. „Und du?“

„Ich die Mumie“, antworte ich.

Er nickt. „Auch nicht schlecht. Jedenfalls besser als lauter Hexen, Vampire und Monster. Aber Gespenster waren nicht darunter. Die spielen wir, um Mitternacht!“

Um Mitternacht wird Miriams Vater die Sicherungen ausschalten. Wir haben gehört, wie Miriam das mit ihm abgesprochen hat, weil sie dann Gruselparty im Finstern feiern will. Dass wir da mitspielen werden, ahnt keiner. Das soll schließlich unsere Überraschung werden, wenn alle denken, wir würden tief und fest schlafen.

„Denen werden wir ganz schön Angst einjagen“, prahlt Tobias. „Wenn wir da plötzlich im Finstern auftauchen und keiner mit uns gerechnet hat und meine Katzenaugen leuchten und du mit dem ...“

Er kichert.

„Die machen sich vor Schreck bestimmt in die Hosen“,

bestätige ich. Aber mein Herz klopft auf einmal ziemlich schnell. Im Finstern unter all diesen Monstern ...

(aus: Bücherwurm trifft Leseratte 2, Seite 7 – 10)

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